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Dienstag, 2. Juli 2013

Überwachung ist besser

Wie doch immer nur spezifisch Neues geschieht: die Welt wird von den jeweils Herrschenden so verändert, dass sie einem totaler und totaler verwaltet vorkommen kann, gerade auch als offene Gesellschaft. Selbst Herrschaftsfreiheit ist ein Herrschaftsanspruch. Keine Aufklärung, ohne dass sich die Schere des Wissens-alias-Macht-Vorsprungs weiter öffnet. Bestinformiert bleibt das ambitionierteste Führungsteam. Diesbezüglich haben wir eine Mehrheit von Verlierern immer unter uns, ganz gleich, welcher Clan, welche Clique, welche Volksvertretung gerade die Oberhand gewonnen hat. Als Beobachter der genutzten Kontrollmöglichkeiten hat man unter Umständen die Wahl, sich als ohnmächtig-moralische Instanz zu profilieren oder an einem Kanzlergatter rüttelnd den Schröder zu geben.

(100/776)

ZITAT
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
(Frei nach Lenin)

Mittwoch, 20. März 2013

Schwangerschaftsabbruch nach Vergewaltigung

Von einer Schwangerschaft nach Vergewaltigung sind drei Menschen unmittelbar betroffen: der Vergewaltiger als Übeltäter, die Schwangere als Opfer einer Straftat und das Kind als vorgeburtliche Leibesfrucht. Wer wollte bestreiten, dass ein Vergewaltiger zur Rechenschaft zu ziehen und seiner gerechten Strafe zuzuführen ist und dass jedes Menschenkind ein Recht auf Leben hat? Dagegen handelt es sich bei einer ungewollten Schwangerschaft um einen Konfliktfall, den als solchen bereits die betroffenen Frauen oft mit sich austragen, und zwar unter allen Umständen. In einem solchen Konflikt mag ihr von einer Entscheidung gegen das Leben des Kindes abzuraten sein, doch darf sie ihr niemand verdenken.

(100/700)

Mittwoch, 6. März 2013

Übertragbarer Tetris-Stress

In dem Computerspiel-Klassiker Tetris sind die verschiedenen herabfallenden Blöcke wie die Laufkundschaft an einem Beratungsstand. Solange Zeit ist, sich jedem Block/Kunden mit voller Aufmerksamkeit optimal zu widmen, ist alles in bester Ordnung. Geradezu Glücksmomente stellen sich ein, wenn sich einwandfrei eines ans andere fügen lässt. Selbst für sperrigere Passanten bleibt genügend Spielraum, ihnen wenigstens einigermaßen gerecht zu werden. Sobald es jedoch hektischer wird, gerät das Ganze mehr und mehr aus den Fugen, und die eine Zeit lang wirklich schöne Dynamik des Bedienens mündet in ein Sichauftürmen von Stressfaktoren, bis man am Schalter schließlich nur noch wie der Verlierer aussieht.

100 Wörter, 709 Zeichen

Donnerstag, 21. Februar 2013

Sloterdijk bei Voß (3sat 18.2.13)

Paraphrasen: (1) Philosophie bemerkt als traurige Wissenschaft ihren Schritt vom Regen des fesselnden Gottes zur Traufe des entfesselten Zufalls. – (2) Menschsein ist In-Form-Sein, das wir uns am liebsten im Wettbewerb abverlangen. – (3) Seit Rekorde nur mit unerlaubten Mitteln aufstellbar sind, ist Spitzensport auch Spitzenlüge. – (4) In Kleinstaaten vermitteln Schauspieler, in Großstaaten Nachrichtensprecher, welche Erregungen allgemein angesagt sind. – (5) Hürden zum Doktortitel müssen einer nicht aberkennbaren Weihe entsprechend hoch sein. – (6) Die Netzkultur oszilliert zwischen anonymer Unkultiviertheit und respektablem Streben vieler nach persönlichem Ansehen. – (7) Durch Missionierung mit Bildern schönen Lebens exportiert der Westen Unzufriedenheit.

Freitag, 15. Februar 2013

Krater

Ein Krater ist eine Erdvertiefung, die entweder durch einen Vulkanausbruch hervorgerufen wurde oder durch einen Meteoriteneinschlag. Deshalb unterscheidet man zwischen Vulkankratern und Einschlagkratern. Ein Vulkankrater ist die schüsselförmige Öffnung eines aktiven oder ehemals feuerspeienden Bergs, aus der auch die Lava fließt oder geflossen ist. Ein Einschlagkrater ist eine kreisförmige "Wunde" auf der Erdoberfläche, die ein durch die Atmosphäre gedrungenes steinartiges Geschoss aus dem Weltraum hinterlassen hat. Meteoriten sind meist winzig und fallen niemandem auf. In seltenen Fällen können sie jedoch riesig sein und große Verheerungen anrichten. Die drei größten Krater auf der Erde haben einen Durchmesser von über 200 Kilometern.

Sonntag, 3. Februar 2013

Ich mach mit 100 Worten was mit Büchern

Tendenziell alles, gern auch alles, was in Büchern steht, möchte ich mit 100 Worten beschreiben. Das können Zusammenfassungen und Bewertungen von Kapiteln und ganzen Büchern sein, sogar von ganzen Buchreihen. Weitere Varianten sind 100 Wörter lange Kommentare zu markanten Sätzen und Wendungen, ferner Paraphrasen von ihrerseits circa 100 Wörter langen Absätzen und Gedichten. Auf diese Weise schreibe ich an einem 100-Wörter-Buch, das ich im Vorwort ebenso zusammenfassen will, sodann auch jedes seiner Kapitel. Zudem sollen Ausdeutungen und Paraphrasen von und zu ausgewählten Stücken dieses gerade entstehenden Buchs nicht fehlen. Nicht zuletzt bei dieser Ankündigung ist die 100 Wörter Regel Ehrensache.

Freitag, 1. Februar 2013

Sexismus

Sexismus ist die Herabwürdigung von Menschen wegen ihres Geschlechts, ähnlich wie der Rassismus die Herabwürdigung von Menschen wegen ihrer Hautfarbe. Eine lange Tradition hat der auch heute noch weltweit verbreitetste Sexismus von Männern gegen Frauen. In seinen Ausdrucksformen reicht er von witzig gemeinten Bemerkungen über soziale Benachteiligungen bis zu bestialischer Gewalt. Die Grenzen eines diesen Missstand bekämpfenden Feminismus zum Sexismus gegen Männer sind in nicht wenigen Fällen fließend. Im weiteren Sinn sexistisch ist die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen wegen ihrer homosexuellen Orientierung. Nicht zu vernachlässigen ist auch der unterbewusste bis unverhohlene Selbsthass vieler Menschen, die von Sexismus betroffen sind.


  • Dressler/Zink: Pschyrembel Wörterbuch Sexualität; de Gruyter 2003

Dienstag, 29. Januar 2013

Das Internet ist so alt wie die Welt

Unter dem Internet haben wir die digitale Kommunikationsplattform des World Wide Web verstehen gelernt. Eine globale Vernetzung der Kommunikation ist indessen bereits seit Jahrtausenden das Wesensmerkmal jeder Hochkultur, sei sie massendemokratisch, elitenrepublikanisch oder feudalherrschaftlich ausgeprägt. Und selbst im urwüchsigen Stadium der Gesellschaft sind die Menschen in ein Netz geworfen, das allumfassend zu sein scheint – in ein mythisch-archaisches Internet, das dem hochkulturell-klassischen und dem spitzentechnologisch-modernen vorausgeht. In jedem Fall handelt es sich um Flechtwerke einer Welt mit Dorfcharakter beziehungsweise eines Dorfes mit Weltcharakter, wo quasi jeder mit jedem in einer mehr oder weniger engen, mehr oder weniger guten Beziehung steht.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Das Büchlein vom Leben nach dem Tode (03)

Jeder Mensch ist sowohl ein eigenständiges Lebewesen als auch ein Ort, an dem viele andere Wesen mit ihm zusammentreffen: anorganische, sterbliche und geistige. Auf ähnliche Weise macht er sich selbst woanders bemerkbar. Vielfach wirkt eines aufs andere durchgreifend ein, oft jedoch kommt es zu Wechselwirkungen, wodurch die Einflüsse gefiltert oder umgelenkt werden. So bildet jeder Mensch "in dem Strom der Welt" einen "Charakter" (Goethe: Torquato Tasso, Erster Aufzug, Zweiter Auftritt, Leonore), je nach der Gesellschaft, die sich bei ihm am wohlsten fühlt, beziehungsweise den Charakteren, bei denen er selbst am liebsten einkehrt – und in eins damit einen unsterblichen Organismus.

100 Wörter, 689 Zeichen

Nach Gustav Theodor Fechner: Das Büchlein vom Leben nach dem Tode, Drittes Kapitel

Weitere Kapitel: (01) (02) (03) (04) (05) (06) (07) (08) (09) (10)

Donnerstag, 17. Januar 2013

Das Büchlein vom Leben nach dem Tode (02)

Vor der Geburt beschränkt sich unser Leben auf die mehr oder weniger vortreffliche Bildung des sterblichen Organismus, dessen Entbindung den mittleren Lebensabschnitt zur Folge hat. In diesem bildet sich – wiederum mehr oder weniger vortrefflich – der neue, geistige Organismus, der durch den Tod vom alten entbunden wird. Im Leben nach dem Tod geschieht ganz und gar, was zuvor nur teilweise geschehen ist und vielfach kaum begonnen hat: die unbehinderte Kommunikation und wechselseitige Befruchtung aller Geistseelen. Dieses dritte Leben beginnt ähnlich leidvoll, wie das zweite oft verlaufen ist, doch zuletzt wird jedes Unheil ausheilen und allen die ewige Glückseligkeit zuteil.

100 Wörter, 683 Zeichen

Nach Gustav Theodor Fechner: Das Büchlein vom Leben nach dem Tode, Zweites Kapitel

Weitere Kapitel: (01) (02) (03) (04) (05) (06) (07) (08) (09) (10)

Internet

Das Internet zeigt sich als Fernseh-Buch, in dem der Zuschauer oder Leser nicht von Buchseite zu Buchseite umblättert oder zwischen Fernsehkanälen auswählt, sondern weiterklickt oder weiterwischt. Die nächstfolgende Internetseite ist meist längst nicht so vorgegeben wie die nächstfolgende Buchseite oder der nächstfolgende Fernsehkanal; denn durch Links können die verschiedensten Seiten miteinander vernetzt sein. Das Internet ist eben ein Netz, das eine Unzahl von Computern aus aller Welt miteinander per Kabel oder per Funk verbindet. Und mit den Computern eine noch viel größere Unzahl von Angeboten für Leser oder Zuschauer, die alle auch aktive Nutzer und Erweiterer dieses Angebots sein können.

100 Wörter, 703 Seiten

Veröffentlicht bei Wikia, verlinkt bei Facebook, Google+ und Twitter 

Dienstag, 15. Januar 2013

Das Büchlein vom Leben nach dem Tode (01)

Wir haben drei Leben: ein leibliches, ein seelisches und ein geistiges. Diese drei scheinen in unserem jetzigen vereinigt zu sein. Aber das rein leibliche Leben ging dem jetzigen voraus, und das rein geistige steht ihm noch bevor. Im derzeitigen seelischen Leben sind wir dabei, unsere Leiblichkeit zu verausgaben und unserer Geistigkeit innezuwerden. Beides gelangt im rein geistigen Leben so zum Abschluss, dass die vereinzelnde Leiblichkeit uns nicht mehr voneinander abkapselt, sondern das innigste Miteinander aller Seelen zulässt, so langwierig in vielen Fällen das Zusammenraufen noch sein mag. In diesem Sinn bedeutet der Tod, ins vollkommene Leben hinein geboren zu werden.

100 Wörter, 682 Zeichen

Nach Gustav Theodor Fechner: Das Büchlein vom Leben nach dem Tode, Erstes Kapitel

Weitere Kapitel: (01) (02) (03) (04) (05) (06) (07) (08) (09) (10)

Sonntag, 13. Januar 2013

Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sind seit dem 15. Januar 1919 tot. Beide waren damals 47 Jahre alt. Sie starben keines natürlichen Todes, sondern sie zählten zu den ersten Opfern rechtsextremer Gewalt nach dem Ende des deutschen Kaiserreichs. Beide wurden in Berlin von Angehörigen einer paramilitärischen Freikorps-Einheit erschossen; es waren Auftragsmorde. Am 12. Januar war in der Reichshauptstadt der "Spartakusaufstand" genannte Generalstreik blutig niedergeschlagen worden. Die führenden Spartakisten und KPD-Mitbegründer Luxemburg und Liebknecht wurden, obwohl nicht maßgebend an den Kämpfen beteiligt, als Drahtzieher gesucht und festgenommen. Ihr politisches Ziel war eine deutsche Räterepublik, auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde liegen sie begraben.

Samstag, 12. Januar 2013

Todesdauer

Ein französisches Sprichwort lautet: "Quand on est mort, c'est pour longtemps. / Wenn man tot ist, dann für lange Zeit." Haben die Gestorbenen indessen keinerlei Zeitempfinden, so schrumpft für sie die Zeit des Todes derart zusammen, dass es mit ihrem Tod im Nullkommanichts auch schon wieder vorbei ist. So dass gegen den zitierten Spruch folgender Widerspruch steht: Der Verstorbene ist nur für die Hinterbliebenen mehr oder weniger lange tot, für sich selber überhaupt nicht. Für ihn geschieht demnach sofort wieder etwas anderes. Es sei denn, man versteht unter dem Tod von vornherein eine Seinsweise, also eine andere Spielart des Lebens.

100 Wörter, 643 Zeichen

Montag, 31. Dezember 2012

Jahr

Das Jahr ist die Zeit, die ein Planet braucht, um sich einmal um seine Sonne zu drehen. Unser Planet, die Erde, dreht sich in derselben Zeit 365-mal um sich selbst. Deshalb hat ein Erdenjahr 365 Tage. Das stimmt nicht genau; deshalb gibt es alle vier Jahre ein Schaltjahr mit einem zusätzlichen Tag, dem 29. Februar. Das stimmt immer noch nicht genau; deshalb gibt es alle 200 Jahre ein Schaltjahr ohne den 29. Februar, zuletzt im Jahre 1900. Nach dem allgemeinen Kalender endet ein Jahr am 31. Dezember und beginnt am 1. Januar ein neues, auf unserem Erdteil also im Winter.

100 Wörter, 575 Zeichen

Sonntag, 30. Dezember 2012

Tod

Der Tod ist das Ereignis, womit unser jetziges Leben endet. Jeder Mensch weiß, dass er zu den Sterblichen gehört und "mitten im Leben vom Tod umfangen" ist. Derart mit dem Tod vor Augen, verstehen wir es trotzdem, diesem unserem Leben einen Sinn abzugewinnen. Oder ist das Leben vielleicht sogar nur deshalb sinnvoll, weil es endlich ist? Weil nur ein Sterblicher sein Leben für etwas Sinnvolles einzusetzen vermag? Jedenfalls ist es uns möglich, dafür zu sorgen, dass das Leben bereits vor dem Tod ein Leben in Fülle ist. Wie auch immer es um ein Leben "nach dem Tod" bestellt sein mag.

100 Wörter, 587 Zeichen

SIEHE AUCH
Tod (Fassung von 2013)