Mittwoch, 17. Juli 2013

Stalin am 17. Juli 1945

Am 17. Juli 1945 beginnt in Potsdam die Konferenz der Hauptalliierten des Zweiten Weltkriegs über die Nachkriegsordnung im besiegten Deutschland mit einem raffinierten Eröffnungszug von Josef Stalin (66), des Vertreters der Sowjetunion: er schlägt den amerikanischen Teilnehmer, den neuen US-Präsidenten Harry S. Truman (61), als Vorsitzenden vor, welche "Ehre" dieser nicht ausschlägt. So erreicht Stalin, dass sich Truman teils als Moderator versteht und dadurch die Position der beiden westlichen Verhandlungspartner geschwächt wird, besonders die des britischen Premierministers Winston Churchill (70). Bereits dessen Terminansetzung der Dreimächtekonferenz hat er um Wochen hinausgezogen, sodass russischerseits mittlerweile vollendete Tatsachen zur deutschen Ostgrenze geschaffen sind.

(100/791)

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Potsdamer Konferenz

FOTO (Bundesarchiv)
Stalin, Truman und Churchill während einer Verhandlungspause

Dienstag, 16. Juli 2013

Eli

"Eli" ist bei Juden und Kurden ein gängiger männlicher Vorname, der dem arabischen "Ali" entspricht. Zugrunde liegt "El", das semitische Wort für Gott. Dieses ist Bestandteil vieler biblischer Namen: Daniel, Gabriel, Michael ... Auch etwa in "Elia" und "Elisabeth" ist es enthalten. Jesu Psalmwort am Kreuz – "Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" – haben viele Bibelübersetzungen in der hebräisch-aramäischen Form beibehalten: "Eli, Eli, lama sabachthani". Der arabischen Gottesbezeichnung "Allah" entspricht im Hebräischen "Eloah". Die Bibel bevorzugt allerdings die majestätische, Gottes Machtfülle betonende Mehrzahlbildung "Elohim", den Ehrentitel, der an einer Stelle (Buch Exodus 4,16) auch Moses zugesprochen ist.

(100/731)

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Bibel-Lexikon: Eli

WIKIPEDIA
Allah, Eli, Sieben Letzte Worte

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Bibelausgaben

Freitag, 12. Juli 2013

Richard Wagner am 12. Juli 1840

Die Revue e Gazette Musicale veröffentlicht, ins Französische übersetzt, Wagners Aufsatz "Über deutsches Musikwesen". Das Zeilengeld für den mehrseitigen Artikel hat der 27-jährige Schuldenflüchtling dringend nötig. Einnahmen aus seinem frühen Opernschaffen sind noch Zukunftsmusik. Der "Rienzi" steht am Zufluchtsort Paris immerhin kurz vor der Fertigstellung; der "Holländer" geistert einstweilen nur im seenotgeprüften Kopf herum. Heinrich Heine nachgeeifert, glückt das journalistische Zwischenspiel stilistisch durchaus. Freilich setzt auch die künstlerische Selbstherrlichkeit so manche Duftmarke. Im Aufsatz streben Deutsche und Franzosen zwar Seite an Seite neuen dramatisch-musikalischen Höhen entgegen, aber das können nur taktvoll-taktische Zugeständnisse an das Gastland des dabei einzigen Gipfelstürmers sein.

(100/822)

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Stefanie Heins Zusammenfassung des Wagner-Aufsatzes

LITERATUR
  • Martin Gregor-Dellin (1980): Richard Wagner. Sein Leben – Sein Werk – Sein Jahrhundert
  • Martin Gregor-Dellin (1972): Wagner Chronik. Daten zu Leben und Werk
  • Stefanie Hein (2004): Richard Wagners Kunstprogramm im nationalkulturellen Kontext
  • Dieter David Scholz (2006): Richard Wagner. Eine europäische Biographie

Donnerstag, 4. Juli 2013

Heisenberg am 10.4.1927

Am 10. April 1927 erscheint in dem Berliner wissenschaftlich-technischen Nachrichtenblatt "Forschungen und Fortschritte" ein anderthalbspaltiger Artikel von Werner Heisenberg. Der junge Physiker dokumentiert darin – ohne Formeln und Fachchinesisch – den Ertrag einer monatelangen Diskussion mit seinem Kopenhagener Kollegen Niels Bohr. Es geht um "die Grundprinzipien der Quantenmechanik", jener physikalischen Teildisziplin, die den kleinsten in der Natur vorkommenden "Massen" nachspürt. Deren Verhalten bei einschlägigen Experimenten sei so geartet, dass die Wissenschaftler zu dem Schluss gelangen müssten: wir können nichts absolut zuverlässig voraussagen; denn dafür lassen sich keine hinlänglich genauen Ausgangsdaten ermitteln. Das Gesetz von Ursache und Wirkung sei gegenstandslos geworden.

(100/799)

QUELLE
Werner Heisenberg: Gesammelte Werke, Abteilung C, Band I (Physik und Erkenntnis 1927-1955); Piper 1984 (Seite 21)

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Mittwoch, 3. Juli 2013

Weber 21.4.1893 bis 20.4.1894

Der 29-jährige Max Weber verlobt sich mit Marianne Schnitger (23) und heiratet sie am 20. September 1893. Die Hochzeit findet bei den Schwiegereltern in Oerlinghausen bei Bielefeld statt. Es ist eine Großfamilienfeier; denn Braut und Bräutigam sind weitläufige Verwandte. Marianne zieht zu ihm nach Berlin, wo er zum außerordentlichen Professor für römisches Recht und Handelsrecht ernannt worden ist. Allerdings liegt sein Interessenschwerpunkt derzeit auf der Nationalökonomie, zu welcher er eine Abhandlung über die Börse beiträgt. Praktisch-national engagiert er sich im Alldeutschen Verband. Dort teilt er die Sorge wegen polnischer Wanderarbeiter, die als Ersatz für die bäuerlichen deutschen Amerika-Emigranten inakzeptabel erscheinen. 

(100/742)

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QUELLEN
Hans Norbert Fügen (1985): Max Weber; Rowohlt 
Lexikon linker Leitfiguren; Büchergilde Gutenberg 1988

Dienstag, 2. Juli 2013

Kafka 3.7.1913 bis 2.7.1914

30-jährig ist er in seinem "Brotberuf" bei der böhmischen Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt als Vizesekretär einer von drei Vertretern eines leitenden Angestellten. In seinem Traumberuf, dem kafkaesken Schreiben, besteht einstweilen die Leserschaft fast immer nur aus einer einzigen Person: Felice Bauer. Der umfangreiche Briefwechsel, meist zwischen Prag und Berlin, mündet am 1. Juni 1914 fürs Erste in Kafkas familiäre Verlobungsfeier mit der 27-Jährigen – in das Versprechen eines trauten Bunds ohne körperliche Nähe. Literarisch flankiert den "Korrespondenzroman" (Theweleit) bis dahin lediglich das Tagebuch, welches trotz seiner Ausführlichkeit das weltbewegende Ereignis vom 28. Juni völlig unerwähnt lässt: die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgerpaars in Sarajevo.

(100/792)

WIKIPEDIA

QUELLEN
Kindlers Neues Literatur Lexikon (1988-1992)
Klaus Wagenbach: Franz Kafka; Rowohlt

Überwachung ist besser

Wie doch immer nur spezifisch Neues geschieht: die Welt wird von den jeweils Herrschenden so verändert, dass sie einem totaler und totaler verwaltet vorkommen kann, gerade auch als offene Gesellschaft. Selbst Herrschaftsfreiheit ist ein Herrschaftsanspruch. Keine Aufklärung, ohne dass sich die Schere des Wissens-alias-Macht-Vorsprungs weiter öffnet. Bestinformiert bleibt das ambitionierteste Führungsteam. Diesbezüglich haben wir eine Mehrheit von Verlierern immer unter uns, ganz gleich, welcher Clan, welche Clique, welche Volksvertretung gerade die Oberhand gewonnen hat. Als Beobachter der genutzten Kontrollmöglichkeiten hat man unter Umständen die Wahl, sich als ohnmächtig-moralische Instanz zu profilieren oder an einem Kanzlergatter rüttelnd den Schröder zu geben.

(100/776)

ZITAT
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
(Frei nach Lenin)

Montag, 1. Juli 2013

2013-06 / Zeitgeschehen im Juni

Wie der flüchtige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Pressevertreter verrät, sind sowohl amerikanische als auch britische Überwachungsprogramme in Betrieb, mit denen unter dem Vorwand der globalen Terrorismusbekämpfung die Kommunikation der Internetnutzer in aller Welt gespeichert und ausgespäht wird. – In der türkischen Metropole Istanbul macht sich bei Protesten gegen die konservativ-islamische Politik der Regierung Erdogan eine außerparlamentarische Opposition für demokratische Verhältnisse nach westlichem Vorbild lautstark bemerkbar. – In Rio de Janeiro kommt es gelegentlich eines internationalen Fußballturniers (FIFA-Konföderationen-Pokal) zu Bürgerprotesten, bei denen Hunderttausende von Demonstranten das Missverhältnis der Milliardeninvestitionen für Sportstätten (FIFA WM 2014) zur unzulänglichen brasilianischen Gesundheits- und Sozialpolitik anprangern.

(100/883)

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Sonntag, 30. Juni 2013

Abrahams Knecht führt Rebekka zu Isaak (1. Mose 24)

Gottes Volk steckt noch in den Anfängen. Es wächst nicht ohne Weiteres. Oft genug auf Umwegen will jedes neue Mitglied gefunden und geprüft sein. Es kommt beim Auswählen nicht auf äußere Merkmale oder Vorzüge, sondern auf die innere, geistige Tauglichkeit an. Dem Volke Gottes wachsen Menschen zu, die sich in Demut üben: Knechte und Mägde des einzigen Herrn, der jedes Menschen "Zuversicht" (Psalm 71) und "Zuflucht für und für" (Psalm 90) zu sein sowohl die Macht als auch die Güte hat und dessen unendliche Geduld und Barmherzigkeit ebenfalls einzigartig sind. Es gilt einen Liebesbund, wie er nachhaltiger nicht sein kann.

(100/626)

QUELLE

Hut

Mit dem Wort "Hut" ist Unterschiedliches angedeutet. Das drückt sich bereits dadurch aus, dass "der Hut" und "die Hut" gesagt werden kann. Der "männliche" Hut ist eine Kopfbedeckung; bei der "weiblichen" Hut handelt es sich um Schutzgewährung – auch Obhut genannt, in die Schützlinge genommen werden. Nun können wir durchaus sagen, dass auch der Hut Schutz gewährt, indem er nämlich als seinen besonderen Schützling den Kopf in Obhut nimmt. Der Hut ist demnach ein Fall der Hut. Obwohl also etwa eine Radfahrerin mit einem Schutzhelm eher behütet ist als mit einem Strohhut, ist beides wortgeschichtlich unter einen Hut zu bringen.

(100/631)

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Herkunftswörterbücher

Freitag, 28. Juni 2013

Ist das Wesen am wichtigsten?

Ist zu viel Wesen um das Wesen gemacht worden? Oder kann gar nicht genug darum gemacht werden? Oh doch, mehr als genug! Ein Unwesen ist es, das Wesen – und damit das Wesentliche – zu funktionalisieren, Unwesentlichem preiszugeben. Im immer himmelschreienderen Übermaß müssen Lebewesen dieses "Schicksal" erleiden, seit es die Biotechnik gibt. Die Funktionalisierung des Lebens ist seine Wesensentfremdung, die bereits mit jeder Wesensbestimmung, mit jeder Klassifizierung, Spezifizierung, Identifizierung durch die wissenschaftliche Logik einsetzt. Wo nur noch dieses Unwesen west, das heißt sein Anwesen hat, werden Wesen und Verwesen ununterscheidbar. Wesentliches mag nur noch im Abwesenden und Gewesenen nachzuweisen sein.

(100/726)

ZITAT
Das Wesen des Menschen besteht darin, dass er kein Wesen hat.
(Günther Andres, Die Antiquiertheit des Menschen 2)

LITERATUR
Ernst Cassirer: Substanzbegriff und Funktionsbegriff

Seligpreisung

Wir können wunschlos glücklich sein; denn wir haben alles, wenn wir das Wort Gottes haben: das Glück – auch noch im Unglück; die Freude – auch noch im Leid; das Heil – auch noch im Unheil; das Gute – auch noch im Bösen; die Liebe – auch noch im Hass; die Freiheit – auch noch im Notstand; den Frieden – auch noch im Krieg; das Leben – auch noch im Tod; den Geist – auch noch im Ungeist; das Wahre – auch noch im Falschen. Wir müssen das Wort Gottes nur zu schätzen wissen. Mögen wir annehmen, was uns frommt.

(100/508)

Donnerstag, 27. Juni 2013

Landgewinn durch Graberwerb (1. Mose 23)

Der im fremden Land angesiedelte Abraham hat den Tod seiner Ehefrau Sara zu beklagen. Wegen ihres Begräbnisses tritt er mit den Einheimischen in Verhandlung. Bei diesen ist er als Mann Gottes hoch geachtet, und sie möchten ihm die vornehmste Grabstätte des Ortes schenken. Abraham aber geht es um den ordentlichen Erwerb eines Familiengrabs und damit eines Stücks eigenen Grundes in der Fremde. Vor dem am Tor versammelten Rat kommt der Kaufvertrag zustande, ohne dass der wohlhabende Witwer den erstgenannten Preis herunterhandelt. Das rechtskräftig erstandene Stück weit kann er nun sich und die Seinen als zur Bürgerschaft des Landes gehörig ansehen.

(100/653)

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Mittwoch, 26. Juni 2013

Sein einziges Kind schlachten (1. Mose 22)

Wenn wir uns umsehen, ob in der eng begrenzten Lebenszeit oder im Großen und Ganzen der Weltgeschichte, finden wir gewiss vieles gut, aber ganz gewiss nicht alles. Kann trotzdem alles zum Guten gereichen? Wer's glaubt ... Wer das glaubt, lebt im Vertrauen auf eine Erste Person, die nicht das Ego ist, aus dem man das hier unzulängliche Selbstvertrauen zu schöpfen pflegt. Was auch immer Böses geschehen ist oder geschehen könnte, kann dem in Anbetracht des Vertrauenswürdigsten Vertrauenden das Vertrauen darauf, dass alles gut wird, nicht aufzehren. So übersteht er schwerste Prüfungen, die jedem erspart bleiben mögen, ohne jedem erspart zu bleiben.

(100/654)

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Montag, 24. Juni 2013

Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich

Beim Spielen mit ihrer goldenen Kugel passiert der jüngsten Königstochter ein Missgeschick. Einen Frosch muss sie bitten, das Spielgerät aus dem Teich zu holen, und ihn zur Belohnung als Spielgefährten aufnehmen. Ihr Vater gemahnt sie, das Versprechen zu halten. Als sie im Schlafgemach den glitschigen Gesellen gegen die Wand wirft, steht plötzlich stattdessen ein Königssohn vor ihr. Sie werden sich einig, und er bringt sie mit seiner Kutsche in sein Schloss. Unterwegs ist seinem treuen Begleiter Heinrich ein Stein vom Herzen gefallen – genauer gesagt: drei Eisenringe von seiner Brust, die ihn während der Verwünschung beengten, und nacheinander aufgebrochen sind.

(100/670)

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Sonntag, 23. Juni 2013

Isaak verdrängt Ismael (1. Mose 21)

Isaak ist im Wortsinn der lachen machende Sohn Abrahams und Saras. "Das gibt's doch nicht", kann man zu seinem Auf-die-Welt-kommen lachend sagen. Kaum zu glauben, was Gott möglich ist! Jedes Menschenleben ist so einzigartig wie unwahrscheinlich – einfach nicht normal. Der ausrechenbare Durchschnittsmensch kommt in Wahrheit nicht vor. Wir können ihn wie den Ismael ausschließen und schlussendlich vergessen. Er kommt als Angehöriger des auserwählten Volks nicht in Betracht, höchstens als Vertreter einer bürokratisch zurechtgelegten Muster- oder Gegengesellschaft. Während sich das Plankind vom Reißbrett verflüchtigt, erregt das Wunschkind von Gottes Gnaden als Lichtblick für die Welt die Aufmerksamkeit selbst von Königen.

(100/727)

QUELLE

Samoa

Der an der Datumsgrenze gelegene südpazifische Inselstaat Samoa, einstmals Deutsch-Samoa (1900-1914), ist seit 1962 unabhängig. Das im 19. Jahrhundert von britischen Missionaren christianisierte Commonwealth- und UNO-Mitglied bildet den weitaus größten Teil der polynesischen Samoainseln; der Südosten ist Außengebiet der USA. Zwischenzeitlich hatte das heute noch freundschaftlich verbundene Neuseeland die Hoheit über Westsamoa. Gut 180.000 Menschen, darunter etwa fünftausend mit europäischen Vorfahren, verteilen sich auf vier bewohnte von insgesamt zehn Inseln. Die mehr als 80.000 Einwohner zählende Hauptstadt Apia liegt auf der größten Insel Upolu. Politisch bestimmend sind auch im Rahmen der parlamentarischen Demokratie Familienclans und ihre "Häuptlinge" geblieben.

(100/777)

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Mus

Mus ist im heutigen Sprachgebrauch ein anderes Wort für Brei. Während das fast gleichlautende französische "mousse" eine schaumige Süßspeise bezeichnet und etymologisch auf ein Wort für Honig zurückgeht, kann es sich bei einem Mus außer um Essbares beispielsweise um den ungenießbaren, aus einem Flechtenbrei gewonnenen Farbstoff Lackmus handeln. Die Ableitungen Gemüse und Müsli verweisen indessen auf den kulinarischen Bedeutungsschwerpunkt. Im selben Sinn erklärt sich die Verwandtschaft mit dem als Speiseschwert verstandenen Messer sowie mit der Mästung, die den Speise- oder Mastdarm beschäftigt; nicht zu vergessen die Mettwurst. Bis zum Offiziersrang bringt es auf Schiffen mancher Tisch- beziehungsweise Essensgenosse: ein Maat.

(100/737)

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Herkunftswörterbücher

Samstag, 22. Juni 2013

Eine Buchempfehlung zur Tierwirtschaft

Tieren geschieht Unsägliches, täglich millionen- und abermillionenfach. Die Unmenschlichkeit von Folter und Völkermord ist heute in zivilisierten Staaten als Rückfall in die Barbarei geächtet. Ebendort berühren uns gleichzeitig noch kaum das Unrecht und die fabrikmäßigen Grausamkeiten, deren Überreste wir in allerlei Form, zumal massenhaft als "Fisch und Fleisch" verkonsumieren. "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer ist ein notwendiges Buch, das seine Leser emotional strapazieren mag, doch ganz gewiss nicht derart leiden lässt wie die "Helden", von denen es handelt. Harte Dokumentationen, daneben aber durchaus ermutigende Geschichten wollen jeden Sensibilisierbaren mit ins Boot nehmen für eine wieder akzeptablere Land- und Tierwirtschaft.

(100/749)

DAS BUCH
Jonathan Safran Foer (2009): Tiere essen (Eating Animals);
Kiepenheuer & Witsch 2010 / Fischer Taschenbuch 2012

Donnerstag, 20. Juni 2013

Neuland Internet

"Das Internet ist für uns alle Neuland ..." Diese Bemerkelung der Bundeskanzlerin beim Deutschlandbesuch von US-Präsident Obama hat unter den Twitterern im besagten Neuland viel altklugen Staub aufgewirbelt. Aber die sollen sich nicht so haben: das Internet ist Neuland. Der Buchdruck war es übrigens jahrhundertelang. Ein paar Jahrzehnte ist auch heutzutage eine neue Schlüsseltechnologie durchaus neu. Sie und ihre Nutzung stecken wirklich noch in den Kinderschuhen. Da ist noch jede Menge abzuklären: technisch, ökonomisch, rechtlich, politisch und ... und ... und ... Eine Philosophie des Internets wäre heute so verfrüht wie die Philosophie einer nachkapitalistischen Gesellschaft. Beiden Erscheinungen fehlt noch der konkrete Begriff.

(100/740)

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LITERATUR
Hegel: Phänomenologie des Geistes